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Ausübung des Totenfürsorgerechts

In einem vom Amtsgericht München entschiedenen Fall ging es um den Ort der Bestattung eines im Alter von 60 Jahren im Jahr 2015 gestorbenen Münchners. Der Verstorbene war katholischen Glaubens und seit 2011 mit einer aus der Türkei stammenden Frau verheiratet, die aus einer vorangegangenen Beziehung zwei Töchter hatte. Der Verstorbene wuchs gemeinsam mit einer Pflegeschwester bei seinen Eltern auf; er war zu Lebzeiten niemals in der Türkei.

Die Witwe wollte den Leichnam in ihrem Heimatdorf in der Türkei bestatten, da sie selbst dort begraben werden möchte. Ihre Töchter berichteten über eine Äußerung des Verstorbenen, dass er gemeinsam mit seiner Ehefrau bestattet werden wollte.

Mutter und Pflegeschwester schilderten abweichend hiervon den Wunsch des Verstorbenen, im Familiengrab der Mutter in München beigesetzt zu werden.

Das Gericht gab der Witwe Recht. Grundsätzlich müsse es einem Menschen gestattet werden, über den Verbleib und die weitere Behandlung oder Verwendung seiner sterblichen Überreste selbst zu bestimmen. Die Rechtsprechung überträgt das Recht der Totenfürsorge auf den nächsten Verwandten des Verstorbenen, vorliegend also die Ehefrau, die sich bei ihrer Entscheidung im Rahmen des (mutmaßlichen) Willens des Verstorbenen zu bewegen hat. Nach Überzeugung des Gerichts stand die Entscheidung der Witwe jedenfalls nicht in Widerspruch zu den geäußerten Wünschen des Verstorbenen, auch wenn sich dieser mit verschiedenen Möglichkeiten der Totenfürsorge befasst und angefreundet hatte.